Zweiter Bericht

Da meine „host parents“ immer noch zum Katastrophen-Einsatz abkommandiert sind, lebe ich jetzt schon seit über einer Woche hier bei meiner „Gasttante“ Jennifer und meinem „Gastonkel“ Travis in Williston, VT, mit denen ich „the American way of life“ genieße: Das Essen in meiner Familie ist weitestgehend sehr gesund, Travis ist ein richtiger Feinschmecker und so habe ich bereits Sushi, Lobster (Hummer) oder hausgemachte Maccaroni mit Käse genossen.

Am Wochenende waren wir auf dem sog. „Champlain Valley Exposition“, im Volksmund „Fair“ genannt, welches man sich als XXL-Johannisfest vorstellen kann, auf dem wir dann allerdings Maple Sirup ice cream (Ahornsirup-Eis), Donuts, fried dough (das ist eine spezielle Teigart, frittiert in Öl und mit Zucker, Schokolade, Zimt, Honig, Ahornsirup, oder ähnlichem bedeckt),… gegessen haben.

Außerdem war dort eine Art landwirtschaftliche Ausstellung , bei der Tiere wie Kaninchen und Gänse, Alpakas und Schildkröten bis hin zu Shirehorses und Bullen zu sehen waren. Das 10-tägige „Fair“ war mit einem Konzert verbunden, auf dem Musiker wie Bruno Mars, 3 Doors Down, Lady Antebellum und Sugarland zu hören waren.


X-mas


X-mas

Vor allem auf dem Festival ist mir aufgefallen, dass es hier relativ viele stark übergewichtige Men- schen gibt. Ich selber kann hier glücklicherweise viel Sport treiben, so habe ich zum Beispiel jeden Tag nach der Schule „cross country practise“. Während dieses Trainings laufen wir mindestens 3 Meilen also knapp 5 km.

Am Samstag hatten wir unser erstes von zahleichen „cross country races“ (Wettkämpfe im Gelände- lauf), bei dem wir in Teams, bestehend aus jeweils 3 Läufern, gegen die anderen Schulen gelaufen sind.

Jeden Montagabend und auch an manchen andern Tagen und allen Wochenenden bis Ende November stehen nun Wettkämpfe an, denn „cross country“ ist mein „fall sport“, also Herbstsport. Das Schuljahr in Vermont ist nämlich in drei Saisons eingeteilt, in denen man jeweils eine Sportart oder eine andere Aktivität nach der Schule machen kann.


Andere hatten da nicht so großes Glück: so ist z.B. auf das Dach unserer Nachbarn ein Baum gefallen, wir haben zahlreiche auf dem Kopf stehende Autos neben den Highways gesehen, und mehrere Dörfer und Städte nicht weit von uns sind vollkommen von der Außenwelt abgeschnitten. Viele Straßen und Brücken wurden zerstört, unzählige Häuser geflutet und weggerissen und die Menschen in diesen Gebieten haben nun keine Strom- und Wasserversorgung mehr.

Meine Gasteltern sind Angehörige der "National Guard", einer Art Heimatpolizei, und beide wurden kurzfristig "activated", das heißt abberufen, um Katastrophenhilfe zu leisten, und so musste auch ich „evakuiert werden“ und lebe daher jetzt bei der Familie der Schwester meines Gastvaters in Williston, VT.

Lauf

Das Training in den Teams beginnt schon vor der eigentlichen Schulzeit in den Ferien. Donnerstag war mein erster Schultag in der Milton High School. Mein Lieblingsfach bis jetzt ist Spanisch: Unsere Lehrerin ist total nett, freundlich und sehr lustig. So nennt sie uns Schüler z.B. ihre „Kinder“ und sie ist die „Mutter“ dazu, sie sieht uns als eine große Familie. Und an der Wand hängt für jeden Schüler ein Sternaufkleber mit dessen Namen darauf. Sie hat uns sogar Chips gekauft, die wir dann während des Unterrichts essen durften…

Auch in den anderen Fächern war der Unterricht bis jetzt sehr locker, denn die Lehrer haben uns erst mal die ganzen Verhaltensregeln erklärt.

Jetzt habe ich schon mein erstes verlängertes Wochenende, denn am Montag ist hier der sog. „labour day“, an dem niemand arbeiten oder in die Schule gehen muss. Der „ Tag der Arbeit“ geht auf das Jahr 1882 zurück, in dem die Central Labor Union in den USA unter Einfluss der Achtstundentag-Bewegung für bessere Arbeitsbedingungen für Arbeitnehmer kämpfte.